Wenn aus Vertrauen Hilfe wird

BNF-Obmann Sepp Dariz blickte auf ein intensives Arbeitsjahr zurück.

Zahlreiche Spender, Gönner, Partner und Ehrengäste waren der BNF-Einladung gefolgt.

Spendenübergabe "Flugretter helfen" (v.l.n.r.): Ivo Bonamico (Direktor Weisses Kreuz), Dr. Marc Kaufmann (Primar KH Bozen), Massimo Demarchi, Philipp Franceschini (Fotograf), Sepp Dariz (BNF-Obmann), Otmar Pfeifer (Pfeifer Landtechnik), Erich Näckler

Marling – Seit 1990 steht der Bäuerliche Notstandsfonds – Menschen helfen (BNF) Menschen in Südtirol zur Seite, die unverschuldet in existenzielle Not geraten sind. Was vor mehr als 35 Jahren als solidarische Initiative begann, ist heute eine tragende Säule der sozialen Hilfe im Land. Möglich ist diese Unterstützung vor allem dank der großen Hilfsbereitschaft unzähliger Spenderinnen und Spender sowie des außergewöhnlichen Engagements vieler Freiwilliger. Anlässlich der heutigen Jahresversammlung zog der BNF nun Bilanz über das vergangene Tätigkeitsjahr.

Gleich zu Beginn des Jahresrückblicks unterstrich Obmann Sepp Dariz das große Vertrauen, das dem Hilfsfonds von der Südtiroler Bevölkerung entgegengebracht wird. „Dieses Vertrauen ist für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich. Es bringt eine große Verantwortung mit sich, stärkt den Vorstand aber auch und motiviert, die wichtige Arbeit konsequent fortzusetzen“, so Dariz.

Der Bäuerliche Notstandsfonds ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen und hat seine Hilfsangebote laufend an die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Südtirol angepasst. Die Erfahrung zeigt, dass finanzielle Unterstützung allein oftmals nicht ausreicht, um akute Notsituationen nachhaltig zu lindern. Deshalb wurden gezielt ergänzende Hilfsprojekte ins Leben gerufen, die betroffene Familien auch über einen längeren Zeitraum begleiten.

Dariz, der dem Fonds seit dessen Gründung als Obmann vorsteht, weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie rasch Schicksalsschläge Familien aus der Bahn werfen können. Die intensive Betreuung einzelner Betroffener ist dabei nicht selten auch emotional belastend, insbesondere dann, wenn Leid und Ausnahmesituationen an persönliche Grenzen führen.

Hilfe für bäuerliche und nicht bäuerliche Familien
2025 wurden 128 Unterstützungsanfragen bearbeitet, in 109 Fällen eine konkrete Hilfeleistung beschlossen. Auch im vergangenen Jahr war mehr als die Hälfte der unterstützten Familien nicht bäuerlicher Herkunft. Schwere Krankheiten, körperliche Beeinträchtigungen und Todesfälle, aber auch unverschuldete betriebliche Notsituationen sowie Brand- und Unwetterereignisse führten neben menschlichem Leid vielfach auch zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten.

Spendengelder fließen vollständig in Hilfsmaßnahmen
Auch die finanziellen Kennzahlen verdeutlichen die Dimension der Arbeit des BNF: Im Jahr 2025 gingen rund 2,39 Mio. Euro an Spenden ein. Diese stammten mehrheitlich aus freiwilligen Einzelspenden von Privatpersonen, Firmen und bäuerlichen Organisationen, aber auch aus eigenen sowie gemeinsam getragenen Benefizaktionen.
2,38 Mio. Euro konnten im selben Zeitraum für verschiedenste Unterstützungsmaßnahmen an Betroffene ausbezahlt werden, darunter auch rund 215.000 Euro als indirekte Unterstützungsbeihilfen für Hilfsprojekte (Holzblockhäuser/Wohncontainer, Projekt „Lebendig trauern“) und an andere Organisationen (z.B. Lebensmittel für den Banco Alimentare bzw. periphere Lebensmitteltafeln).

Rasche Soforthilfe und langfristige Perspektiven
Gerade bei Krankheits- und Todesfällen ist es notwendig, rasch und unbürokratisch Hilfe zu leisten. Häufig tritt dabei auch „versteckte Armut“ zutage, etwa wenn Familien aufgrund von Schulden, Einkommensausfällen oder Pflegekosten in finanzielle Bedrängnis geraten.

Mit gezielten Projekten ergänzt der Bäuerliche Notstandsfonds seine finanzielle Unterstützung durch nachhaltige Hilfe: Über „Zukunft schenken“ erhalten Kinder und Jugendliche aus Notlagen Schul- und Studienbeihilfen, um ihre Ausbildung fortsetzen zu können. Dank der langjährigen Partnerschaft mit dem Kiwanis Club Bozen konnten im vergangenen Jahr 28 Schülerinnen, Schüler sowie Studierende unterstützt und begleitet werden.
Holzblockhäuser und Wohncontainer kommen nach Brand- oder Naturkatastrophen als rasche Übergangslösung, häufig aber auch bei dringenden Sanierungsarbeiten auf Höfen, zum Einsatz. Ergänzt wird das Angebot durch die Krisen- und Trauerbegleitung von Familien und Einzelpersonen in schwierigen Lebenslagen oder nach einem Todesfall. Diese wird von ausgebildeten Trauerbegleiterinnen durchgeführt, die seit 2024 auch das Projekt „Lebendig trauern“ für Kinder und Jugendliche im Auftrag des BNF leiten. Junge Menschen, die den Verlust eines Angehörigen oder einer nahestehenden Person verarbeiten müssen, können dies gemeinsam tun – an vier Tagen und an einem besonders geschützten Ort, inmitten der Natur.
Für Frauen in Not stellt der BNF seit 2024 zudem eine Übergangswohnung zur Verfügung, die dank der Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten Eisacktal und der Bürger*innengenossenschaft b*coop Brixen einen geschützten Wohn- und Entwicklungsraum bietet.

Keine Spendengelder für Verwaltungskosten
Ein zentrales Prinzip des Bäuerlichen Notstandsfonds bleibt unverändert: Spendengelder kommen ausschließlich den Betroffenen zugute. Verwaltungskosten werden bewusst nicht aus Spenden finanziert. Um dieses Modell aufrechtzuerhalten, ist die Unterstützung der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler von großer Bedeutung, betonte Obmann Dariz: „Drei Viertel unserer Verwaltungsausgaben konnten wir dank der Fünf-Promille-Zuweisungen decken. Dafür sind wir sehr dankbar.“
Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und erhalten lediglich eine Vergütung der Fahrtspesen.

BNF-Vorstand neu bestellt
Dem Jahresrückblick ging die ordentliche Mitgliederversammlung mit Neuwahlen voraus. Dabei wurde den scheidenden Vorstandsmitgliedern Leopold Kager, David Hofer, Karin Höller und Gertraud Gemassmer für ihren langjährigen, verantwortungsvollen Einsatz und ihre Menschlichkeit ausdrücklich gedankt. Gleichzeitig stellte der Hilfsfonds die neu gewählten Vorstandsmitglieder für die jeweiligen Bezirke vor: Brigitte Augschiller (Bozen & Umgebung), Daniela Erhard (Vinschgau), Thomas Wieland (Eisacktal- und Wipptal) und Sonia Salamon (Burggrafenamt).
Für weitere vier Jahre im Vorstand bestätigt wurden Georg Reden, Paul Steger, Monika Brigl, Katherina Mittermair und Sepp Dariz.

Flugretter sammeln Rekordsumme
Der Jahreskalender der Südtiroler Flugretter wird seit 2005 herausgebracht. Seit 2007 kommt der Erlös dem Bäuerlichen Notstandsfonds und damit Menschen in Not zugute. Dass Solidarität in Südtirol und darüber hinaus, der Kalender wird auch in Deutschland verteilt, nach wie vor gelebt wird, beweisen einerseits die vielen Freiwilligen, die hinter der Benefizaktion stehen und die Kalender verteilen und andererseits die erzielte Spendensumme. Aus der Kalenderaktion 2026 konnte nämlich ein Gesamtbetrag von 34.000 Euro an den BNF übergeben werden – so viel, wie noch nie. Insgesamt beläuft sich die Spendensumme damit seit 2005 auf 436.054 Euro.
Die Firma Pfeifer Landtechnik übernimmt seit vielen Jahren die Druckkosten des Flugretter-Kalenders. 

Fotos: Thomas Alber